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About ECM

“Kashkashian plays with rhythmic life over a wide dynamic and coloristic range; her wonderful bow arm can communicate infinitely subtle or boldly declamatory nuances of speech and song...Levin, celebrated for his Mozart, is equally assured in French music and, it turns out, in Spanish, summoning a full spectrum of attack, articulation, color and volume. His collaboration with Kashkashian was vigorously interactive... They seemed to have been phrasing to and playing off the unheard words. Whether they were playing about souls gathering at the river, lullabies, moonlight, love or hate, greeting or farewell, they put us in the middle of the situation and the atmosphere.” - Richard Dyer, Boston Globe

„Songs are the most potent of all cures“, schreibt Kim Kashkashian in ihrem Einführungstext zur vorliegenden Einspielung, in dem sie so etwas wie die Urszene ihres Musikertums schildert: Die Erinnerung an den warmen Bariton des Vaters, wie er, der armenische Emigrant in den USA, mit „Hingabe, Begeisterung und einer allumfassenden Liebe“ Volkslieder aus der Heimat sang. Der unwiderstehliche Drang, ihm zu folgen, so Kashkashian, war es, der ihr den Weg vorgab – das Bestreben, auf dem Streichinstrument „einen noch so kleinen Teil der melodischen und emotionellen Möglichkeiten, über die die Stimme verfügt, zum Ausdruck zu bringen.“

Von einem innigen, zumeist leisen Singen ist auf diesem Album die Rede, einem Singen, das zuweilen tröstet, sowohl leidenschaftlich wie besinnlich ist, sich aber immer an ein einzelnes Gegenüber wendet. In Kashkashians umfangreicher und vielfältiger Diskographie – sie reicht von Bach bis Kurtág, von Karaindrou bis Hindemith – haben Lied-Arrangements immer wieder eine wichtige Rolle gespielt. Schon Brittens „Lachrymae“, das Eröffnungsstück ihrer Debüt-CD Elegies von 1986, umkreist zwei Dowland-Songs. Voci, 2001 veröffentlicht, war Luciano Berios komponierten Interpretationen italienischer Volkslieder gewidmet; auf Hayren aus dem Jahr 2003 interpretierte Kashkashian armenische Lieder des großen Lehrmeisters Vardapet Komitas in Fassungen seines (und ihres) Landsmannes Tigran Mansurian.

Dass sich die poetische Essenz eines Liedes rein instrumental womöglich am intensivsten vermitteln lasse, ist ein Gedanke, der seit Mendelssohns Zeiten die Komponisten beschäftigt hat, nicht zuletzt Arnold Schönberg und Feruccio Busoni, wie David Grayson in seinem Booklet-Essay ausführt. Spanische und argentinische Lieder eignen sich aufgrund ihrer genrehaften Thematik und der Verwurzelung im Populären und Tänzerischen besonders gut für instrumentale Transkriptionen. Manuel de Fallas „Siete Canciones Populares“ sind in der Violinfassung von Pawel Kochanski in aller Welt bekannt geworden, und von ihnen aus nahm die Entdeckungsreise des Duos Kashkashian/Levin durch den Schatz spanischer und argentinischer Lieder ihren Ausgang. Während de Falla, Granados und Ginastera vertraute Namen sind, kennt man die drei übrigen kaum.

Carlos López Buchardo (1881-1948) etwa, der Gründer des argentinischen Nationalkonservatoriums, galt als begabter Melodiker, dessen musikalische Komödien zwischen Spott und Frivolität pendeln. Seine Sinfonische Dichtung „Escenas argentinas“ erlebte ihre Uraufführung durch die Wiener Philharmoniker unter Felix Weingartner, danach wurde es jedoch still um ihn. Carlos Guastavino, der im Jahr 2000 88-jährig starb, blieb sein Leben lang der nationalen Romantik Argentiniens treu, seine rund 150 Lieder sind fest in der Volksmusiktradition verwurzelt. Sehr viel eigenständiger entwickelte sich die Musik des Katalanen Xavier Montsalvatge, 2002 im Alter von 90 Jahren verstorben, dessen „westindische“ Kompositionen in Wahrheit eine Suche nach einem unverbrauchten und frischeren spanischen Idiom darstellen.

Asturiana ist dieses Album betitelt, nach dem dritten der sieben De Falla-Lieder. Ebenso wie Guastavinos „La rosa y el sauce“ und Ginasteras „Triste“ taucht es im Laufe des Programms doppelt auf: Produzent Manfred Eicher und die Musiker haben eine quasi filmische Dramaturgie geschaffen, deren Rück- und Querblicke für atmosphärische Verdichtungen und Überblendungen sorgen. Kashkashian und Levin spielen diese Musik wie subtilste Kammermusik, denn genau das sind sie in ihrer beider Augen: „Jeder dieser Komponisten hat ein untrügliches Gespür für das Erlesene, das die Lieder über das Gefällige hinaus in etwas Unbeschreibliches verwandelt“, merkt Robert Levin in seinem Kommentar zur Aufnahme an. „Ein vollkommenes Lied enthält ebenso viel Kunst wie eine ganze Oper – und viel weniger Platz für den kleinsten Fehltritt.“

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Kim Kashkashian und Robert Levin spielen seit Mitte der siebziger Jahre zusammen. Ihr Duo ist ein seltenes Beispiel tief gehender musikalischer Partnerschaft. Das lässt sich an Hand ihrer zahlreichen gemeinsamen ECM-Aufnahmen beobachten, deren Repertoire seit den erwähnten Elegies Werke von Schumann, Brahms, Hindemith, Schostakowitsch und anderen einschließt. „Den Widerstand, den wir einander entgegenbringen, genießen wir ganz besonders“, hat Kashkashian einmal in einem Interview gesagt und damit auf den Gegensatz ihrer musikalischen Temperamente hingewiesen – ihren Lyrismus und ihre Liebe für die melodische Linie in Kombination mit Levins Interesse an strukturellen und stilistischen Fragen – einen Gegensatz, der gar nicht überwunden werden muss, weil er in beide Richtungen befruchtend wirkt.

Kim Kashkashians internationale Laufbahn begann nach ersten großen Wettbewerbserfolgen, unter anderem beim Münchner ARD-Wettbewerb. Von Anfang an war sie zudem eine gefragte Kammermusikpartnerin und regelmäßig zu Gast bei den Festivals von Marlboro, Spoleto, Mostly Mozart, Lockenhaus und Salzburg. Sie hatte Professuren in Freiburg und an der Musikhochschule „Hanns Eisler“ in Berlin inne und unterrichtet heute am New England Conservatory in Boston. Seit den achtziger Jahren nimmt sie für ECM auf.

Robert Levin ist einer der bedeutendsten Spezialisten für historische Flügel. So hat er mit Christopher Hogwood und der Academy of Ancient Music sämtliche Mozart-Klavierkonzerte eingespielt, die Beethoven-Konzerte mit John Eliot Gardiner und dem Orchestre Révolutionnaire et Romantique. Neben seiner Konzerttätigkeit hat Levin mit seinen Vervollständigungen großer Mozart-Fragmente Aufsehen erregt, etwa der Messe in c-Moll, deren komplettierte Fassung 2005 in der Carnegie Hall uraufgeführt wurde. Levin ist Professor an der Harvard University.

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