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About ECM

„Diesen Konzertmitschnitt habe ich zurückgehalten, bis ich den richtigen Augenblick für gekommen hielt. Er zeigt das Trio von seiner launigsten, melodischsten und dynamischsten Seite. (...) Wenn es im Jazz um Swing, Energie und die schiere Ekstase von Musikern und Hörern geht, dann fällt mir kein anderes Konzert des Trios ein, das diese Qualitäten so vollständig und umfassend zum Ausdruck gebracht hätte.”
Keith Jarrett, Linernotes zu "My Foolish Heart"

„My Foolish Heart” dokumentiert einen Auftritt des Trios Keith Jarrett, Gary Peacock und Jack DeJohnette im Juli 2001 beim Montreux Jazz Festival. Eine selbst nach Maßstäben dieser Gruppe außergewöhnlich facettenreiche Darbietung, die geradezu ausgelassen durch die Geschichte des Jazz streift. Die drei Ausnahmemusiker spielen bekannte Standards wie “What’s New?”, “The Song Is You”, “Guess I’ll Hang My Tears Out To Dry”, “On Green Dolphin Street”, “Only The Lonely” und den Titelsong. Auf dem Programm standen zudem die Klassiker „Four” von Miles Davis, „Straight, No Chaser” von Thelonious Monk, „Oleo” von Sonny Rollins und „Five Brothers” von Gerry Mulligan. Wie stets bei dieser Formation überrascht die Fülle neuer Sichtweisen, die die Drei den vertrauten und zeitlosen Themen abgewinnen.

Einen Höhepunkt erreicht das Konzert mit drei Stücken im Stride- und Ragtime-Stil, deren Verve förmlich den Geist von Fats Waller zu beschwören scheint. Von diesem nämlich stammen zwei der drei Nummern dieses fulminanten Zwischenspiels, die beiden unvergesslichen Ohrwürmer „Ain’t Misbehavin’” und „Honeysuckle Rose”, während die dritte, „You Took Advantage Of Me”, von Richard Rodgers und Lorenz Hart 1928 für das Musical „Present Arms” komponiert wurde. Nachdem es sich mehr als zwanzig Minuten in Ragtime-Sphären getummelt hat, kehrt das Trio mit Monks „Straight, No Chaser” in modernere Jazzregionen zurück, wobei gerade dieses Stück ein Paradebeispiel für die Jazz-spezifische Balance zwischen Freude, Kreativität und eigenwilligem Humor darstellt.

Schon in seinen frühen Jahren streute Keith Jarrett zwischen seine freieren Stücke und Kompositionen mitunter Ragtime-Elemente ein (sein 1968 erschienenes Atlantic-Album „Somewhere Before” enthält solche Momente), und einem Interviewer erzählte der Pianist einmal, dass Scott Joplin für ihn erste Wahl wäre, sollte er jemals Musik für die berühmte einsame Insel zusammenstellen müssen. Mit dem mehr am Bebop orientierten „Standards“-Trio hatte er den frühen Jazz und die Harlem-Stride-Tradition auf Platte allerdings bisher nicht aufgegriffen. Als Meister des improvisierten Spiels besitzen Bassist Gary Peacock und Schlagzeuger Jack DeJohnette jedoch die Gabe, Jarrett in jede musikalische Richtung zu folgen. Kraftvoll swingen sie mit dem Pianisten durch „Ain’t Misbehavin’”. Obwohl in für ihn ungewohntem Terrain, lässt Peacock sich zu einem stoischen Solo hinreißen. In den letzten Takten dieses Ragtime-Interludiums verändern Jarrett und DeJohnette, sehr zur hörbaren Freude des Publikums, in ständigem Wechsel die rhythmische Grundstruktur.

„Dass diese Ragtime-Stücke keine Imitationen sind, beweist, wie ernsthaft wir uns dem Jazz verpflichtet fühlen”, sagt Jarrett. „Als wir sie spielten, waren sie für uns so real und lebendig wie alles andere, was wir vorher und nachher spielten. Tatsächlich zeigt dieses Konzert beinahe das ganze Spektrum dessen, was wir mit dem ‘Standards’-Trio seit annähernd 25 Jahren machen. Und jetzt war einfach die Zeit gekommen, dies auf einem Album zu demonstrieren.”

„My Foolish Heart” ist bereits die achtzehnte ECM-Veröffentlichung des legendären Trios, das sich inzwischen seinem 25jährigen Jubiläum nähert. Es war im Januar 1983, als Keith Jarrett, Gary Peacock und Jack DeJohnette sich in der New Yorker „Power Station“ mit Produzent Manfred Eicher trafen, um ihren ersten Ausflug in die Welt der Jazzstandards zu unternehmen. Diese erste Aufnahmesession brachte drei Alben hervor: „Standards Vol. 1”, „Standards Vol. 2” und “Changes”. Im Januar 2008 werden diese drei CDs in einer Box mit dem Titel „Setting Standards: New York Sessions 1983” wieder aufgelegt.

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