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About ECM

Ein Programm aus Liedern von Alban Berg und einer Kantate von K.A. Hartmann; zarte, kraftvolle und eindringliche Stücke aus unruhigen Zeiten, die nicht nur die musikalische Landschaft grundlegend veränderten. Stand Alban Berg bei seinen frühen Liedern noch tief in der Schuld von Richard Strauss und Debussy, so begann er unter der Ägide Arnold Schönbergs, ein ganz und gar eigenständiges Profil zu entwickeln. Die „Sieben frühen Lieder“ wurden später von Berg aus etwa dreißig, unter der kritischen Aufsicht Schönbergs entstandenen Kompositionen zur Veröffentlichung ausgewählt. Neun weitere „Jugendlieder“ sind auf diesem Album versammelt, Vertonungen älterer Gedichte und Werken Berg’scher Zeitgenossen, die mit zunehmender Sicherheit die Sprache der neuen Musik aufnehmen. „Gänzlich tonale Passagen wechseln sich ab mit solchen, in denen die Harmonik von einer Doppelbödigkeit in die nächste gleitet“, wie Paul Griffiths in seinen Liner Notes schreibt. Zwei faszinierend kontrastierende Fassungen von „Schließe mir die Augen beide“ aus den Jahren 1900 und 1925 verdeutlichen die gewaltige Strecke, die Berg in diesen zwei Jahrzehnten zurücklegte. „Die Vertonung von 1925 ist aufregend, einladend fremd, besonders als Antwort auf einen spätromantischen Text. Doch macht sie damit die Wärme und Fluidität der früheren Fassung überflüssig? Verdrängt das Jetzt das Damals oder schafft es lediglich mehr Raum für Mögliches?“

Da er die Veröffentlichung seiner frühen Lieder autorisierte, muss Berg der Hinwendung zur Vergangenheit künstlerischen Wert beigemessen haben. Karl Amadeus Hartmann hatte andere Gründe, zu älterem Material zurückzukehren. Sein „Lamento“ von 1955 entstand aus Solo-Passagen eines 1936/37 geschriebenen, ursprünglich Berg gewidmeten Werkes für Sopran, Chor und Klavier. Wie für viele andere seiner Kompositionen hatte Hartmann für „Lamento“ während des Dritten Reichs keine Öffentlichkeit gesucht, hielt eine Überarbeitung danach aber für nötig, ohne die Musik dabei ihrer grundlegenden Stimmung des Protestes und der Trauer zu berauben. „Lamento ist ein großes Stück“, schreibt Paul Griffiths, „eines, das die zwei ausgezeichneten Musiker, die es hier präsentieren, voll und ganz fordert. Juliane Banse ist der Typ Sängerin, den sich Hartmann vorgestellt haben muss – eine Sängerin, die sich Leichtigkeit, Kraft und Wärme auch unter schwierigen Bedingungen bewahrt, deren Stimme Autorität und Verletzlichkeit zugleich transportiert und deren musikalische Erfahrungen von Bach bis in die heutige Zeit reichen. Auch Aleksandar Madžar gelingt es, historische Tiefe und unmittelbare Emotionalität dieses Werks zum Vorschein zu bringen. Beide Künstler lassen aber auch das verzweifelte Schweigen lebendig werden, aus dem das Stück entstand, als sein Schöpfer, grauenvolle Zeiten durchlebend, nur starke Schatten für die Zukunft legen konnte.“


Geboren auf der deutschen Seite des Bodensees und aufgewachsen in der Schweiz, gehörte Juliane Banse schon mit Mitte zwanzig zur internationalen Sängerelite, mit einem Repertoire, das von Bach und Mozart über Lieder des 19. Jahrhunderts und Mahler bis zu zeitgenössischer Musik reicht. Sie gestaltete die Titelrolle in Heinz Holligers Oper Schneewittchen, die sie für ihr erstes ECM-Album aufnahm. Seitdem war sie auf ECM in Kompositionen von Frank Martin und György Kurtág sowie, begleitet von András Schiff, mit Liedern von Mozart und Debussy zu hören. Ihre Interpretation von Kurtágs „Kafka Fragmente“ wurde mit dem Edison Award, dem Midem Classical Award und dem japanischen Modern Music Prize ausgezeichnet. Die Aufnahmen mit András Schiff standen ebenso auf der Bestenliste des Preises der deutschen Schallplattenkritik wie Holligers „Schneewittchen“ mit Banse in der Titelrolle.

Aleksandar Madžar studierte in seiner Heimatstadt Belgrad und in Moskau und gewann 1996 den dritten Preis des Leeds Klavierwettbewerbs. Nach anschließender Konzerttätigkeit nahm er seine Studien wieder auf und kehrte 2004 auf die Bühne zurück, wo er sich rasch als virtuoser Künstler mit großer stilistischer Bandbreite etablierte, der die Werke Mozarts, Beethovens, Chopins oder Ligetis nicht nur technisch meisterhaft, sondern auch in ihrer geistigen und emotionalen Dimension interpretiert. Das vorliegende Album, Ergebnis einer regelmäßigen Zusammenarbeit mit Banse, ist nicht nur sein erstes auf ECM, sondern eines der wenigen, die bisher von ihm erhältlich sind.

Konzerttätigkeit: Juliane Banse wird im Oktober in der Staatsoper Wien in einer Neuinszenierung von Hindemiths Oper „Cardillac“ zu hören sein. Im Januar und Februar 2011 geben Banse und Madžar, verstärkt durch die Klarinettistik Sabine Meyer, eine Reihe von Kammerkonzertabenden in europäischen Städten. Bisher sind Termine in Vevey, Florenz, Zürich, Hamburg, Schweinfurt, Barcelona und Valladolid bestätigt.

Weitere Informationen zu Juliane Banse sowie aktuelle Termine finden Sie unter www.julianebanse.com und www.ecmrecords.com.

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