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„Diese Aufnahme ist ein Meilenstein und ein sehr mutiges Unternehmen“, urteilte David Fallows in der Zeitschrift Gramophone, als im Jahre 2004 bei ECM New Series eine Auswahl der Motetten Guillaume de Machauts mit dem Hilliard Ensemble erschien. Die Produktion erhielt zahlreiche Auszeichnungen, 2005 wurde sie für einen Grammy nominiert.
Mit Nicolas Gombert setzt das – hier um Andreas Hirtreiter und Robert Macdonald verstärkte – Ensemble nun seine wissenschaftlich fundierten Erkundungen der Vokalpolyphonie des Mittelalters und der Renaissance fort, die in den vergangenen Jahren bereits zu Maßstab setzenden Aufnahmen wichtiger Werke von Perotin, Orlando di Lasso, Thomas Tallis und Carlo Gesualdo geführt haben.

Biographisch ist Nicolas Gombert nur in Umrissen fassbar: Geboren wohl kurz vor 1500 im südlichen Flandern, soll er Schüler des großen Josquin Desprez gewesen sein. Als Mitglied der kaiserlichen Kapelle Karls V seit 1526 lebte er in verschiedenen spanischen Städten und begleitete den Kaiser in die entlegensten Winkel seines immensen Reiches. Offensichtlich fungierte er als eine Art inoffizieller Hofkomponist: Seine Werke wurden von den führenden Verlegern Europas veröffentlicht und fanden weite Verbreitung. Den einzigen Hinweis auf seinen Tod verdanken wir einem italienischen Diplomaten, der in einer 1567 veröffentlichten Abhandlung über die Niederlande erwähnt, dass Gombert gestorben sei.

Jener Lodovico Guicciardini war es auch, der Gomberts Bedeutung in die Worte fasste, er sei einer jener „wahren Meister der Musik, die sie erneuert und zur Vollendung geführt haben.“ Schon zu Lebzeiten war Gombert hoch geschätzt, wie nicht zuletzt an den zahlreichen zeitgenössischen Parodiemessen über seine Kompositionen abzulesen ist. Orlando di Lasso wurde von ihm beeinflusst, und auch der junge Claudio Monteverdi zählte zu seinen Bewunderern. Musikgeschichtlich bildet Gombert eine Brücke zwischen der Generation Josquins und den späten Meistern der Renaissance-Polyphonie wie Lasso und Palestrina. Wie Uwe Schweikert in seinem Begleittext zur vorliegenden CD deutlich macht, trägt die äußerst kunstvolle und dichte imitatorische Schreibweise des Komponisten alle Züge jener Musik, die 1562/63 „zum bekannten Angriff katholischer Radikalreformer gegen die Praxis der mehrstimmigen Figuralmusik auf dem Konzil von Trient führte“: Die Verständlichkeit der liturgischen Texte tritt gegenüber der hoch entwickelten Kontrapunktik in den Hintergrund, die zäsurarmen fünf- respektive sechsstimmigen Gewebe entwickeln sich zu quasi-autonomen musikalischen Kunstwerken. Als solche nehmen sie in ihrer Geschlossenheit und perfekten Ebenmäßigkeit für sich ein.

Die sechsstimmige Motette Media Vita, die diese CD eröffnet, gilt allgemein als einer der Höhepunkte in Gomberts Schaffen. Seine Vorliebe für dunkle Klangfarben ist bereits an der Besetzung für nur eine hohe Stimme, jeweils zwei hohe und zwei tiefe Tenöre und einen Bass ablesbar. Typisch ist auch die Zurückhaltung gegenüber jeglicher Form äußerer Expressivität wie Tonmalerei, Verzierungen oder deutlichen Gliederungseinschnitten. Die Motette Media Vita bildet den musikalischen Ausgangspunkt der Missa Media Vita, die sich, charakteristisch für die verbreitete Praxis der Parodiemesse, eng auf sie bezieht. Deutlich hörbar wird dies vor allem in den Anfangstakten der jeweiligen Sätze, in denen das Eingangsmaterial der Motette jeweils kurz aufgegriffen wird. Dabei wird das entliehene Material im weiteren Verlauf allerdings sehr frei behandelt. Das sorgfältig komponierte Programm des Hilliard Ensembles stellt den Sätzen der Messe insgesamt sechs Motetten gegenüber. Den Abschluss bildet ein weiteres sechsstimmiges Meisterwerk, die Motette Musae Jovis, eine musikalische Huldigung an Josquin Desprez.

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Seit mehr als 30 Jahren gilt das Hilliard Ensemble als eine der herausragenden Vokalformationen der Welt. „Wenige Gruppen erkennt man an einem einzigen Takt. Für die Hilliards trifft dies zu“, schrieb Matthew Power 2004 in Gramophone. Die vorliegende CD ist die 22. Aufnahme für ECM New Series. Die Zusammenarbeit zwischen den Engländern und dem Münchner Label begann 1987 mit Arvo Pärts "Arbos" und führte in der Folgezeit zu enthusiastisch gefeierten Aufnahmen sowohl alter als auch zeitgenössischer Musik. Besonders erfolgreich waren "Officium" und "Mnemosyne", die Projekte des Ensembles mit dem improvisierenden Saxofonisten Jan Garbarek, die auf gemeinsamen Tourneen weiterhin fortgeführt werden. Große Aufmerksamkeit erregte die Zusammenarbeit des Hilliard Ensembles mit dem Geiger Christoph Poppen bei „Morimur“, einer auf den Bach-Forschungen Helga Thoenes beruhenden Aufnahme.
Komponisten wie Barry Guy, Morton Feldman, Ivan Moody, Veljo Tormis und natürlich Arvo Pärt haben für die Hilliards geschrieben. Auf "Lamentate" mit neuen Werken von Pärt, erschienen im September 2005, ist das Ensemble mit Da Pacem Domine zu hören. "Cathedral in the thrashing rain", eine Produktion mit Werken des Amerikaners Stephen Hartke, wurde im Sommer desselben Jahres veröffentlicht.

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