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About ECM

Alexei Lubimov, der Erbe der russischen Klaviertradition, im Zusammenspiel mit zwei herausragenden jungen Musikern seines Heimatlandes: „Was uns drei verbindet, ist das ausgeprägte Interesse an der zeitgenössischen Musik“, sagt Lubimov, der sich, aller Repressalien unter dem damaligen Sowjet-Regime zum Trotz, schon als junger Mann konsequent für die Komponisten der Avantgarde eingesetzt hat. „Das Musizieren mit jüngeren Kollegen wird mir immer wichtiger. Kyrill Rybakov und Alexander Trostiansky verbinden ausgeprägte musikalische Intuition bereits mit immenser Erfahrung. Die Auseinandersetzung mit der Musikanschauung einer ganz anderen Generation wirkt auf mich wie eine neue Energiequelle.“

Rybakov und Lubimov begegneten sich bereits während der Studienzeit des Klarinettisten in Paris. Im Moskauer Kammermusikkreis des Cellisten Alexander Rudin trafen kurz darauf alle drei Musiker erstmals zusammen. „Misterioso“ ist das Schallplattendebüt des Trios. Obwohl sie sich mehr als Solistenvereinigung denn als festes Ensemble verstehen, geben die drei Russen inzwischen regelmäßig gemeinsame Konzerte. Die Konzentration auf zeitgenössisches Repertoire liegt dabei nahe: Erst mit Strawinskys Originalbearbeitung der Suite zu „Die Geschichte vom Soldaten“ und mit Bartóks „Contrasts“ bildete sich die Konstellation Klarinette, Violine und Klavier als feste Formation heraus. Das 1949 entstandene Trio Galina Ustvolskajas, dessen Schlusssatz ihr einstiger Lehrer Dmitry Schostakowitsch in eigenen Werken mehrfach bedeutungsvoll zitiert hat, ist mithin eines der frühen Meisterwerke für die Besetzung.

Sämtliche Werke der vorliegenden Aufnahme haben die Musiker mit den Komponisten gearbeitet respektive vor ihnen zu Gehör gebracht. „Galina Ustvolskaja probt ja nicht mehr mit den Interpreten; sie lebt sehr zurückgezogen“, sagt Lubimov. „Doch beim Festkonzert zu ihrem 85. Geburtstag im Juni 2004 in St. Petersburg haben wir für sie das Trio und die Violinsonate gespielt.“ Arvo Pärts „Spiegel im Spiegel“ trugen Rybakov und Lubimov dem Komponisten vor einigen Jahren in Berlin nach der Violinfassung vor. „Pärt war so angetan, dass er sich daraufhin entschloss, eine Fassung für Klarinette offiziell freizugeben. Er hat uns damals viele wertvolle Interpretationshinweise gegeben und sehr eingehend an Agogik, Farben und der Formung der Phrasen gearbeitet.“ Mit Valentin Silvestrov wiederum arbeitet Lubimov seit Jahren besonders eng zusammen. Die beiden hier eingespielten Werke haben die Interpreten in mehreren, Silvestrov gewidmeten Porträtkonzerten gespielt, unter anderem beim Basler Festival „Culturescapes“, das den ukrainischen Komponisten 2004 als „Composer in Residence“ präsentierte.

Ähnlich wie im Falle von Lubimovs Recital mit Meisterwerken des russischen Klavierrepertoires des 20. Jahrhunderts, das unter dem Titel „Messe Noire“ im vergangenen Jahr bei ECM erschien, ist die Repertoirezusammenstellung auch bei „Misterioso“ bewusst kontrastreich angelegt. Die Werke stammen aus einem Zeitraum von beinahe fünfzig Jahren. Drei kompromisslose Einzelgänger erheben hier ihre Stimme, vertreten radikal individuelle kompositorische Positionen und Lebensanschauungen und sprechen, auf je unterschiedliche Weise, von „existenziellen Schichten des geistigen Lebens“, wie Alexei Lubimov bemerkt. Pärts „Spiegel im Spiegel“ fungiert als eine ebenso trennende wie versöhnende Demarkationslinie zwischen den in sich polaren Werkpaaren von Silvestrov und Ustvolskaja. Dabei wird nicht nur das breite Spektrum der sowjetischen und postsowjetischen Musik erkennbar, sondern auch der auf keinen einfachen Nenner zu bringende Reichtum kompositorischer Handschriften bei Silvestrov und Ustvolskaja.

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Alexei Lubimov, 1944 in Moskau geboren, war einer der letzten Schüler des legendären Klavierpädagogen Heinrich Neuhaus. Früh engagierte er sich für die Komponisten der westlichen Avantgarde, die er dem Moskauer Publikum in einer Reihe sowjetischer Erstaufführungen vorstellte. Als seine Karriere in den siebziger Jahren immer stärkere Restriktionen erfuhr, gründete Lubimov das Moskauer Barockquartett, das ihm Gelegenheit gab, zahlreiche Werke der Alten Musik auf historischen Tasteninstrumenten aufzuführen – eine Pioniertat in der damaligen Sowjetunion. 1988 gründete er das Avantgarde-Festival „Alternativa“. Seit den achtziger Jahren tritt Lubimov international mit wichtigen Orchestern und bedeutenden Dirigenten auf. Zu seinen Kammermusikpartnern zählen Christian Tetzlaff, Natalia Gutmann und Andreas Staier. Die Diskographie des Pianisten umfasst Werke vom Barock bis zur Gegenwart. Neben dem Silvestrov-Album „Metamusik/Postludium“ und Arvo Pärts „Lamentate“ für Klavier und Orchester hat Lubimov bei ECM New Series zwei Solo-Recitals vorgelegt: die Sammlung elegischer Miniaturen „Der Bote“ (2002) und „Messe Noire“, ein Programm mit Werken von Skrjabin, Strawinsky, Prokofjew und Schostakowitsch (2005). Alexei Lubimov ist Professor für Klavier und Hammerklavier am Mozarteum Salzburg.

Kyrill Rybakov wurde 1977 in Moskau geboren und begann seine Klarinetten-Ausbildung im Alter von fünf Jahren an der dortigen Spezialschule für Musik bei Ivan Mozgovenko. Nach weiteren Studien bei Richard Vieille, Jörg Widmann und Wolfgang Meyer übernahm er 2003 die Leitung einer Klarinettenklasse am Moskauer Tschaikowsky-Konservatorium. Als Solist und Kammermusiker ist er regelmäßig zu Gast bei internationalen Festivals. Neben seiner intensiven Beschäftigung mit historischen Klarinetten und dem frühen Repertoire für sein Instrument hat sich Rybakov insbesondere auf zeitgenössische Musik spezialisiert. Die Klarinetten-Fassung von Arvo Pärts „Spiegel im Spiegel“ entstand auf Anregung Kyrill Rybakovs.

Alexander Trostiansky, geboren 1972 in Nowosibirsk, erhielt seinen ersten Violinunterricht an der Spezialschule für Musik seiner Heimatstadt und studierte dort anschließend am Konservatorium. 1990 wurde er Schüler und bald auch Assistent von Irina Bochkova am Moskauer Tschaikowsky-Konservatorium. Seit 1999 hat er an diesem Institut eine Dozentur inne. Trostiansky wurde 1990 beim Paganini-Wettbewerb in Genua und 1998 beim Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau mit Preisen ausgezeichnet. Er war Mitglied der Moskauer Solisten sowie des Romantic Trio der Moskauer Philharmonischen Gesellschaft. Alexander Trostiansky hat eine Reihe von Aufnahmen für verschiedene Labels vorgelegt.

Die CD-Packung enthält ein 32-seitiges illustriertes Booklet mit einem Essay von Jürg Stenzl in deutscher und englischer Sprache.

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