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About ECM

Absorbing, inspiring, at times exasperating: you feel that you are eavesdropping on a major talent caught up in the act of creation
Rob Cowan in Gramophone, Dezember 2001 über “Naunz”

„Naunz“, die 2001 veröffentlichte erste ECM-Aufnahme mit Kompositionen Thomas Larchers (ECM New Series 1747), umfasste die Schaffensperiode von 1986 bis 1999, wobei Solostücke für Klavier im Mittelpunkt standen. „Ixxu“ eröffnet nun einen Überblick über die kammermusikalische Produktion von 1990 und 2004. Den Rahmen des Programms bilden die beiden Quartette „Ixxu“ und „Cold Farmer“ in der Interpretation des Rosamunde Quartetts. Die junge amerikanische Sopranistin Andrea Lauren Brown gibt mit „My Illness Is The Medicine I Need“ ihr ECM-Debüt. Christoph Poppen tritt zum ersten Mal seit seiner Zusammenarbeit mit dem Hilliard Ensemble auf der Bach-Platte „Morimur“ wieder als Geiger in Erscheinung. Und Thomas Demenga, Larchers langjähriger musikalischer Weggefährte, spielt, zusammen mit dem Komponisten selbst am Klavier, das Stück „Mumien“. Dass alle vier hier in Ersteinspielung vorliegenden Werke mit tradierten, ja „klassischen“ Besetzungen arbeiten, hat auch mit den engen Kontakten des nach wie vor aktiven Konzertpianisten zu zahlreichen seiner Kollegen zu tun: Die Stücke wurden sämtlich bei Larcher von befreundeten Musikern für konkrete Aufführungsgelegenheiten in Auftrag gegeben.

„Ich schreibe nicht für Spezialensembles, sondern für ‚klassische’ Musiker, die gerne stark gefordert werden, gleichzeitig aber ein Misstrauen hegen gegen die inflationäre Verwendung ungewöhnlicher Spieltechniken und Klangeffekte“, sagt Thomas Larcher. Sein Ansatz besteht eher darin, eine vergleichsweise konventionelle Virtuosität ins Obsessive zu steigern und somit die Dosierung und Intensität der expressiven Energien noch einmal zu erhöhen. Andreas Reiner, Primarius des Rosamunde Quartetts, spricht von „haarsträubenden Schwierigkeiten“, von „extremen individuellen und kollektiven Anforderungen“, die jedoch immer einhergingen mit der „hohen Qualität“ der Musik. Diese verlangt den Interpreten ein Äußerstes an Präzision und physischer Hingabe ab, für Hörer wie Musiker ist sie jedoch immer höchst eindringlich: physisch und direkt, motorisch aufgeladen, klar gegliedert, transparent im Klang und durchdrungen von tiefer Emotionalität.

Der Bezug zu traditionellen Formaten ist jedoch auch auf die musikalische Sozialisation des eminenten Pianisten Thomas Larcher zurückzuführen: „Meine Wurzeln liegen im Interpretatorischen und in der jahrzehntelangen Prägung durch die Werke und das Formdenken der Klassik. Als Komponist kann ich eigentlich immer nur da ansetzen, wo bereits etwas war. Meine Musik ist kommunikativ: Sie fordert den aufmerksamen Hörer, aber sie soll im Konzert unmittelbar nachvollziehbar sein. Daher rührt das Timing dieser Stücke, ihre Dramaturgie und ihr Aufbau. Ich möchte aus tradierten Bausteinen ein sowohl neuartiges und originelles als auch möglichst klares Haus bauen. Dabei versuche ich die Elemente so anzuordnen und zu übersteigern, dass vollkommen neue Ausdruckswerte entstehen.“

Als Veranstalter des Festivals „Klangspuren“ in Schwaz/Tirol hat Larcher über Jahre seinen Komponistenkollegen ein Forum geboten. Erst in den vergangenen Jahren hat seine eigene Produktivität ihren entscheidenden Schub bekommen. Der international tätige Interpret, der auch mit seinen erhellenden Programmzusammenstellungen Anerkennung gefunden hat (vgl. das Schubert/Schönberg-Recital ECM New Series 1667), schränkt seine Solistenaktivitäten zunehmend ein, um sich den immer zahlreicher werdenden Kompositionsaufträgen widmen zu können. In der jüngeren Vergangenheit entstanden ein Klavierkonzert für das Klavierfestival Ruhr und das Cellokonzert „Hier, heute“ für das Luzerner Sinfonieorchester unter Leitung von Jonathan Nott. Als Composer in Residence stellte Larcher sein Schaffen bei Festivals in Davos, Heimbach oder im norwegischen Risør vor.

Politik und Alltagskultur wirken als Quelle der Inspiration unmittelbar in Larchers Komponieren hinein. Schon auf dem Vorgängeralbum zu „Ixxu“ war dies zu erkennen. „Vier Seiten“ für Cello solo reflektierte den Unfalltod des Formel-Eins-Piloten Ayrton Senna und dessen mediale Aufbereitung mittels extremer Zeitlupe. „My Illness Is the Medicine I Need“ geht nun auf Äußerungen von Psychiatriepatienten zurück, die in dem Benetton-Magazin „Colors“ abgedruckt waren. „Ich habe die weniger expliziten Sätze herausgesucht, Sätze, die sich jeder von uns in irgendeiner Form schon einmal gedacht haben mag“, sagt Larcher. „Mit Lyrik tue ich mich zumeist ziemlich schwer. Je kunstvoller und makelloser die Verse sind, desto weniger Raum bleibt für die Musik. Doch hier wirken die Texte wie ein Magnet, sie richten die Musik gleichsam aus.“


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Thomas Larcher, geboren 1963 in Innsbruck, studierte in Wien Klavier und Komposition und war anschließend als freischaffender Pianist, Komponist und Festivalleiter tätig. Als Solist arbeitete er mit wichtigen europäischen Orchestern und spielte unter Dirigenten wie Claudio Abbado, Dennis Russell Davies, Michael Gielen, Heinz Holliger und Franz Welser-Möst. Im November 2006 wird er in Frankfurt am Main das Klavierkonzert von Erkki-Sven Tüür uraufführen. Zu Larchers neueren Kompositionen zählen ein Konzert für Klavier und Kammerorchester, das Cellokonzert „Hier/Heute“ sowie ein Trio für Klarinette, Cello und Klavier, das im August 2006 beim Mondsee-Festival in Österreich uraufgeführt wird, wo Larcher Composer in Residence ist. Dieselbe Funktion wird er auch beim Oxford Chamber Music Festival im September dieses Jahres ausüben. Seine Werke erscheinen bei Schott. Auf ECM New Series ist Thomas Larcher vielfach vertreten. „Naunz“ (ECM New Series 1747), sein Debütalbum als Komponist, erregte internationales Aufsehen. Als Pianist hat er ein Solorecital mit Klavierstücken von Schubert und Schönberg vorgelegt (ECM New Series 1667). Überdies ist er auf Recitals der Geigerin Michelle Makarski und des Cellisten Thomas Demenga zu hören. Weitere Informationen unter < ahref="http://www.vanwalsum.com" target="new">www.vanwalsum.com

1991 in München gegründet, gab das Rosamunde Quartett ein Jahr später sein hoch gelobtes Debüt bei den Berliner Festwochen. Neben der klassischen Quartett-Literatur bildet die zeitgenössische Musik einen wichtigen Repertoireschwerpunkt des Quartetts. Die bei ECM erschienene Silvestrov-Aufnahme „leggiero, pesante“ wurde für einen Grammy nominiert. Besonderes Interesse bei Presse und Publikum findet die Zusammenarbeit des Quartetts mit dem argentinischen Bandoneon-Virtuosen Dino Saluzzi, aus der 1998 die Aufnahme „Kultrum“ hervorging. Zuletzt erschien bei ECM eine CD mit Streichquartetten des armenischen Komponisten Tigran Mansurian.

Die Sopranistin Andrea Lauren Brown wurde in Wilmington im US-Bundsstaat Delaware geboren und studierte unter anderem bei Grace Bumbry und Elio Battaglia am Mozarteum Salzburg. 2003 gewann sie einen 2. Preis beim ARD-Wettbewerb in München. Die Alte Musik bildet einen Schwerpunkt im Repertoire der Sängerin. Aufnahmen erschienen unter anderem bei dem Label Harmonia mundi.

Thomas Demenga, 1954 in Bern geboren, studierte bei Antonio Janigro, Leonard Rose und Mstislav Rostropovich. Seit 1980 ist er Professor an der Basler Musikhochschule; im Jahre 2000 wurde er zum künstlerischen Leiter des Davos Festivals „Young Artists in Concert“ berufen. Er setzt sich intensiv mit Neuer Musik auseinander und hat eine Reihe wichtiger Werke uraufgeführt. Seit den achtziger Jahren nimmt Demenga für ECM auf. Zuletzt erschien unter dem Titel „Chonguri“ ein Programm kurzer Stücke von Bach bis Webern.

Christoph Poppen wurde 1956 in Münster geboren und studierte unter anderem bei Oskar Schumsky. Er gewann mehrere Violinwettbewerbe und gründete 1978 das Cherubini Quartett. Poppen war Direktor der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin und künstlerischer Leiter des ARD-Wettbewerbs in München. Von 1995 bis 2006 war er Chefdirigent des Münchener Kammerorchesters, mit dem er zahlreiche Aufnahmen für ECM New Series einspielte, zuletzt „Natura Renovatur“ mit Werken Giacinto Scelsis. Im Sommer 2006 tritt er sein Amt als Chefdirigent des Sinfonieorchesters des Saarländischen Rundfunks an. Die Zusammenarbeit Poppens mit dem Hilliard Ensemble auf der Bach-CD „Morimur“ erregte internationales Aufsehen.

Die CD-Packung enthält ein 20-seitiges illustriertes Booklet mit Einführungstexten von Thomas Larcher (deutsch / englisch) und einem Essay von Paul Griffiths in englischer Sprache.

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