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About ECM

Der Bassist Eberhard Weber gehört zu den Musikern, die die improvisierte Musik in Europa seit den frühen 70er Jahren entscheidend mit geprägt haben. Wie vielleicht sonst nur Jaco Pastorius, entwickelte Weber in dieser Zeit einen unverwechselbaren Ton auf seinem Spezialbass, dessen Möglichkeiten er später bis hin zu einem geradezu orchestralen Klangbild erweiterte. Webers erste ECM-Aufnahme The Colours Of Chloë (ECM 1042) von 1973, die weitgehend von Celloklängen bestimmt wurde, war weit entfernt von der amerikanischen Jazzbass-Tradition zwischen Ray Brown und Scott LaFaro – und fand gerade deshalb eine enorme Resonanz bei Musikern wie Ralph Towner und Gary Burton; in der Folge war Weber Mitglied von Towners epochemachender „Solstice“-Gruppe und – zusammen mit Pat Metheny – Gast in den wechselnden Formationen Burtons. Weber selbst arbeitete 1979 bei Fluid Rustle wieder mit Burton – und mit Bill Frisell, der hier zum ersten Mal auf Schallplatte zu hören war. Daneben hatte Weber zwischen 1975 und 1980 sein festes Quartett „Colours“ mit Charlie Mariano, Rainer Brüninghaus und Jon Christensen bzw. John Marshall; die drei „Colours“-Alben Yellow Fields (ECM 1066), Silent Feet (ECM 1107) und Little Movements(ECM 1186) zählen noch heute, so unlängst der Schweizer „Bund“, „zu den grossen Leistungen des emanzipierten europäischen Jazz.“

Mit Endless Days, seiner ersten Aufnahme unter eigenem Namen seit sieben Jahren, kehrt Eberhard Weber nun zur Quartett-Besetzung mit einem Bläser, Klavier, Bass und Schlagzeug zurück, allerdings unter wesentlich veränderten Vorzeichen.
Eberhard Weber: „Ich wollte für diese Platte etwas schaffen, das sich meiner ursprünglichen Liebe, der Klassik, nähert, ohne freilich einen Beitrag zu diesem Genre oder eine (ohnehin unmögliche) Fusion anzustreben. Ich bezog lediglich gewisse orchestrale Klänge ein, als ich im Studio anfing, mit dem Quartett zu arbeiten.
Die Musik ist im Prinzip durchkomponiert. Es gibt nur einen limitierten Anteil an Improvisationen, etwa die Einleitung von Rainer Brüninghaus zu ‚Concerto For Piano‘, dazu die verschiedenen Solobeiträge von Paul McCandless, Rainer und mir zu den arrangierten Teilen der Kompositionen, und natürlich die beiden Bassstücke. Nach Pendulum (ECM 1518), meiner letzten Solo-Aufnahme, mit der ich umgesetzt hatte, was ich auf meinem Bass zu zeigen in der Lage bin, wollte ich diesbezügliche Wiederholungen vermeiden und das Instrument im Ensemble für die Aufgabe einsetzen, für die es ursprünglich gedacht war, als Fundament und Unterstützung. Auf Solistisches habe ich bei Endless Days bewußt weitgehend verzichtet, die im Jazz leider so verbreitete Selbstdarstellung sollte unterbleiben.“

Die Besetzung ergab sich für Weber während der Arbeit an den Kompositionen. Mit Paul McCandless hatte Weber bereits 1982 bei seiner letzten Ensemble-Aufnahme Later That Evening (ECM 1231) zusammengearbeitet. McCandless – zusammen mit Ralph Towner, Collin Walcott und Glen Moore, Gründungsmitglied der Gruppe „Oregon“ – hat seit 1972 an ECM-Aufnahmen von Ralph Towner und Oregon sowie den Gruppen „Gallery“ (mit Dave Samuels, David Darling, Ratzo Harris und Michael DiPasqua) sowie „Skylight“ (mit Art Lande und Dave Samuels) mitgewirkt. „Ich wollte“, so Eberhard Weber, „bei der Auswahl des Melodieinstruments mehr in Richtung des klassischen Instrumentariums gehen, und so kam ich auf Paul. Er spielt nur ein einziges Mal auf der ganzen Platte Sopransaxophon, sonst aber ‚klassische‘ Instrumente: Oboe, Englischhorn und Bassklarinette. Ich habe zum Teil überaus schwierige Passagen für ihn geschrieben, besonders im Titelstück ‚Endless Days‘, und man findet wohl nur wenige, die das so spielen können wie er.“

Michael DiPasqua spielte mit „Double Image“ und – zusammen mit Weber – Anfang der 80er Jahre in der Jan Garbarek Group, bevor der Bassist ihn in sein Later That Evening-Projekt integrierte. Weber hat den Schlagzeuger für Endless Days gewinnen können, nachdem dieser sich in den letzten 14 Jahren gänzlich aus der Musikszene zurückgezogen hatte: „Ich wollte beim Schlagzeug mehr in Richtung Perkussion gehen und nicht in den klassischen Jazz-Groove. Ich habe vor der Aufnahme den Musikern auch etwas launig gesagt: ‚Ihr dürft alles spielen, es darf nur nicht nach Jazz klingen‘. Damit ist nichts gegen den Drive und die Motorik des Jazz gesagt, aber ich wollte eine offenere musikalische Konzeption, und deshalb habe ich Michael gefragt – und er war sofort von dem Projekt angetan. Ich habe ihm Bänder mit den Kompositionen zur Vorbereitung geschickt, und als er dann ins Studio kam, hat er sehr sensibel und frei gespielt.“

Rainer Brüninghaus hat schon auf The Colours of Chloë sowie den drei „Colours“-Alben mitgespielt; danach nahm Brüninghaus zwei Alben unter eigenem Namen für ECM auf, Freigeweht (ECM 1187) und Continuum (ECM 1266). Ende der achtziger Jahre wurde Brüninghaus Mitglied der Jan Garbarek Group, der Weber damals bereits seit zehn Jahren angehörte. Für Endless Days holte Weber den langjährigen Weggefährten, weil er „jemand ist, der sehr universell einsetzbar ist, klassisch ebenso wie im Jazz; er ist ein hervorragender Leser, versteht, was man meint, und ist ein wunderbarer Improvisator. Er kam auch vor den Aufnahmen zu mir nach Hause und wir haben das Projekt gemeinsam durchgearbeitet; Rainer ist rundherum eine sehr kooperative Persönlichkeit, gepaart mit seinem wunderbaren Klavierspiel war das für mich eine ideale Lösung.“

Mit einer Ausnahme wurden alle Stücke für Endless Days neu geschrieben, auch „Solo for Bass“ und „A Walk in the Garrigue“, zwei Bass-Soli, die, so Weber, „eigentlich aus dem gleichen Gedanken und Aufbau heraus kommen“ und hier wie zwei Zäsuren im Ablauf des Albums stehen. Der einzige ältere Titel ist „The last stage of a long journey“, der schon Little Movements eröffnete: „Ich mochte dieses Stück immer sehr, und es eignet sich vorzüglich für diese Art von Instrumentierung. Ich denke, es ist legitim, ältere Stücke noch einmal neu aufzunehmen, und nicht nur der Schluß, der Ausklang, sondern der ganze Ansatz hat sich ja sehr stark verändert, ist vielleicht auch zeitgenössischer. Ich habe gerade in letzter Zeit einige meiner alten Platten wieder gehört, und da gibt es zum Teil Längen, die ich heute nicht mehr nachvollziehen kann. Vielleicht hat man damals für Wiederholungen oder eine lange Einleitung – wie eben auch bei der ersten Version von „The last stage...“ – noch mehr Geduld gehabt als heute. Bei Endless Days habe ich bis zuletzt noch Passagen gestrichen, um Wiederholungen und Längen zu vermeiden. Überhaupt lege ich großen Wert darauf, dass meine Musik in jedem Moment kurzweilig ist.“

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The Colours Of Chloë (ECM 1042)

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Yellow Fields (ECM 1066)

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Pendulum (ECM 1518)

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Later That Evening (ECM 1231)