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About ECM

„Die sieben letzten Worte“, schrieb der Haydn-Forscher H. C. Robbins Landon im Vorwort der bei Eulenburg verlegten Partitur des Werks, „enthalten vielleicht die am tiefsten empfundene Musik von Haydn überhaupt. Nicht zufällig war dieses Oratorium, geschrieben im Geiste innerster religiöser Überzeugung, eines der Lieblingswerke des Komponisten; seine Tiefgründigkeit und Ernsthaftigkeit sind unmittelbar zu spüren. Das Jahr 1785 war in Haydns schöpferischer Entwicklung ausgesprochen bedeutsam; es markiert einen Wendepunkt in seiner Musik. Es gibt gute Gründe für die Annahme, dass diese Wende, die vermutlich zu den letzten großen Symphonien, Messen und Quartetten führte, zumindest in Teilen – wenn nicht überhaupt – auf die ‚Sieben Worte‘ zurückgeht.“

In seinem Vorbericht zur Oratorienfassung des Werks von 1801 ging Joseph Haydn selbst ausführlich auf die Entstehung des Werkes ein: „Es sind ungefähr fünfzehn Jahre, daß ich von einem Domherrn in Cadix ersucht wurde, eine Instrumentalmusik auf die sieben Worte Jesu am Kreuze zu verfertigen. Man pflegte damals alle Jahre während der Fastenzeit in der Hauptkirche zu Cadix ein Oratorium aufzuführen, zu dessen verstärkter Wirkung folgende Anstalten nicht wenig beytragen mußten. Die Wände, Fenster und Pfeiler der Kirche waren nehmlich mit schwarzem Tuche überzogen, und nur Eine, in der Mitte hängende große Lampe erleuchtete das heilige Dunkel. Zur Mittagsstunde wurden alle Thüren geschlossen; jetzt begann die Musik. Nach einem zweckmäßigen Vorspiele bestieg der Bischof die Kanzel, sprach eines der sieben Worte aus, und stellt eine Betrachtung darüber an. So wie sie geendiget war, stieg er von der Kanzel herab, und fiel knieend vor dem Altare nieder. Diese Pause wurde von der Musik ausgefüllt. Der Bischof betrat und verließ zum zweyten, drittenmale u.s.w. die Kanzel, und jedesmal fiel das Orchester nach dem Schlusse der Rede wieder ein. Dieser Darstellung mußte meine Composition angemessen seyn. Die Aufgabe, sieben Adagio’s wovon jedes gegen zehn Minuten dauern sollte, aufeinander folgen zu lassen, ohne den Zuhörer zu ermüden, war keine von den leichtesten; und ich fand bald, daß ich mich an den vorgeschriebenen Zeitraum nicht binden konnte. …“
„Die sieben Worte“ waren bereits zu Lebzeiten eines der erfolgreichsten Werke Haydns; er selbst dirigierte es regelmäßig und schrieb eine Fassung für Streichquartett, die gleichzeitig mit der Orchesterfassung und einer vom Kompo-nisten autorisierten Klavierreduktion 1787/88 im Druck erschien. „Jedwede Sonate, oder Jedweder Text“ – schrieb er im April 1787 an seinen englischen Verleger William Forster – „ist bloß durch die Instrumental Music dergestalten ausgedruckt, dass es den unerfahrensten den tiefesten Eindruck in Seiner Seel Erwecket, das ganze werk dauert etwas über eine stunde, es wird aber nach jeder Sonate etwas abgesezt, damit man voraus den darauf folgenden Text überlegen köne.“

Der Appell an die Imagination des Hörers resultiert, so Uwe Schweikert im Textheft der Einspielung, aus der „kontrastreichen Spannung von Alt und Neu, der sublimen Dialektik von barocker Affektdarstellung und klassischem Stil … Formal greift Haydn in allen sieben Adagio-Sätzen zur klassischen Sonatenform, die dem Werk den sinfonischen Duktus einer in der Tat absoluten Musik zu gewährleisten scheint.

Gleichzeitig zielt er auf die Rhetorik einer musikalischen Klangrede, die sich zwar bewährter Topoi und Stilmittel zur Vergegenwärtigung des biblischen Geschehens bedient, diese aber ins Moderne, in die Sprache einer textlosen, absoluten Instrumentalmusik wendet. … Die unmittelbare Einfachheit und Eingängigkeit dieser Musik mag den Blick dafür verstellen, dass es Haydn hier auf einem in seinem Werk zuvor kompositorisch noch nicht erreichten Niveau gelungen ist, einen ganz neuartigen musikalischen Ausdruck zu schaffen, der sich gleichermaßen des tradierten musikalischen Formenvorrats wie der motivisch-thematischen Arbeit bedient und in dieser Verbindung Dramatik und Expressivität jenseits der Worte zur Darstellung bringt.“

„Diesen Geist der Komposition“, so Schweikert weiter, „die Verbindung von Dramatik und Expressivität, von strukturellem Komponieren und meditativem Hören … greift das Rosamunde Quartett in seinem Spiel auf und verschmelzt ihn luzide mit dem Gewebe des vierstimmigen Satzes. Ausdruck entsteht hier gleichsam durch Verzicht auf vordergründige Expressivität.“



Das Rosamunde Quartett, 1991 von vier Musikern unterschiedlicher musikalischer Herkunft gegründet, gab bei den Berliner Festwochen im darauffolgenden Jahr ein aufsehenerregendes Debut. Mittlerweile ist das Quartett mit seinem weitgefächerten Repertoire zu einer „Kammermusikformation von außerordentlichem Format zusam-mengewachsen“, so die Süddeutsche Zeitung. Auch außerhalb Deutschlands haben die vier in München lebenden Musiker mit „Sinn für feine Facetten und durchdachte Eigenwilligkeiten“ sich einen hervorragenden Ruf erworben.

Andreas Reiner, geboren in Wien, war Schüler von Werner Ehrenhofer und Itzhak Perlman. Der gebürtige Australier Simon Fordham studierte bei Brian Blake, Rosa Fain und mit dem Amadeus Quartett. Helmut Nicolai begann seine Karriere bei den Berliner Philharmonikern, bevor er als Solo-Bratschist zu den Münchner Philharmonikern ging. Anja Lechner, die bei Jan Polasek, Janos Starker und Heinrich Schiff studierte, widmet sich neben dem zeitgenössischen und klassischen Repertoire auch dem Tango Nuevo.

Das Quartett musiziert regelmäßig bei den Berliner Festwochen, der Schubertiade Hohenems, dem Rheingau Festival, dem Carinthischen Sommer, dem Schleswig Holstein Musik Festival und dem Musikfest Bremen, und ist bei Konzertreihen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien, Japan und Südamerika aufgetreten.

Die ersten beiden CD-Einspielungen des Quartetts erschienen Anfang der neunziger Jahre bei Berlin Classics. Die Neue Zürcher Zeitung wertete die Aufnahme mit Werken von Schubert und Goldmark als einen „interpretatorischen Glücksfall“, von Gramophone wurde sie als „an extremely desirable, fascinating issue“ gewürdigt. 1996 begann die Zusammenarbeit mit ECM New Series. Die Einspielung mit Quartetten von Anton Webern, Schostakowitsch und Emil František Burian fand in der internationalen Presse große Beachtung und wurde überdies mit dem Vierteljahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet. Auch „Kultrum“, die zweite von ECM produzierte CD mit dem argentinischen Komponisten und Bandoneonspieler Dino Saluzzi, erhielt herausragende Kritiken und war „Editor's Choice“ im englischen Gramophone. Weitere Aufnahmen des Rosamunde Quartetts finden Sie hier.


Neben dem klassischen Standardrepertoire spielt das Rosamunde Quartett auch Werke von Carl Goldmark, Emil František Burian, Hanns Jelinek, Pēteris Vasks und Valentin Silvestrov, sowie das Streichquartett von Luigi Nono.



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