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Die Veröffentlichung der ersten Doppel-CD von András Schiffs chronologisch angelegter Beethoven-Gesamteinspielung im vergangenen Oktober löste ein beachtliches Presseecho aus. „Sollte die erste Folge einen verlässlichen Maßstab abgeben, dann wird dieser Zyklus nicht nur herausfordernd und erhellend wirken, sondern auch all jene Lügen strafen, die sich fragen, ob es überhaupt noch Raum für einen neuen gibt“, schrieb Jeremy Nicholas in Gramophone, während Hugh Canning in der Sunday Times einen ähnlichen Vorausblick wagte: „Wenn die Ergebnisse dieser Veröffentlichung gleichkommen, ist mit einem denkwürdigen Zyklus zu rechnen.“ Wolfram Goertz sprach in der Zeit von einem Vorhaben, „dem wir unsere genaueste Beaufsichtigung schenken sollten, denn der Beginn ist spektakulär.“ Und Le Monde de la Musique begrüßte schlicht „einen der großen Beethoven-Interpreten unserer Zeit“. Die Juroren des Preises der deutschen Schallplattenkritik nahmen die Aufnahme umgehend in ihre Bestenliste des Jahres 2006 auf.

Schiff, der schon relativ früh in seiner Karriere umfassende Zyklen der Klavierwerke von Bach, Mozart und Schubert im Konzert spielte und auch aufnahm, hat sich mit Beethoven viel Zeit gelassen. Bis zu seinem 50. Lebensjahr bildeten die 32 Sonaten eine offensichtliche Lücke in seinem Repertoire. Immer wieder hat der Pianist seine Ehrfurcht vor den extremen Anforderungen der Werke betont, aber auch vor der einschüchternden Aufführungstradition, die eng mit den bedeutenden Pianisten der Vergangenheit verknüpft ist – mit Schnabel, Kempff, Fischer oder Arrau, um nur ein paar wenige zu nennen. Beethovens Klaviersonaten, die in ziemlicher Regelmäßigkeit zwischen 1795 und 1822 entstanden, sind gleichsam das Laboratorium des Komponisten: Kein Werk gleicht dem anderen, jedes bietet neue Lösungen, und das in größter Konzentration und Dichte. Der Zyklus, den Hans von Bülow bekanntlich als das „Neue Testament“ der Pianisten bezeichnete, ist das zentrale Kompendium des Beethoven’schen Schaffens, denn keine andere Werkreihe eröffnet eine derart detaillierte Gesamtschau seiner stilistischen Entwicklung.

Schiffs Entscheidung, die Sonaten live und auf zwei verschiedenen Flügeln aufzunehmen, ist bei der Kritik auf große Anerkennung gestoßen. In einem Interview für das Schweizer Magazin Musik und Theater hat er sein unkonventionelles Konzept kürzlich noch einmal begründet: „Ich bin der Überzeugung, dass lebendiges Musizieren nur live stattfinden kann. Ich bin absolut nicht der Meinung Glenn Goulds, dass es überflüssig sei, Konzerte zu geben, dass die Arbeit im Tonstudio viel wichtiger sei. Im Gegenteil, nur für diesen Moment, wo Musik erklingend stattfindet, lebt man als Künstler.“ Schiff spielt jedes der Programme in 15 verschiedenen Städten, bevor er es in der für ihre ausgezeichnete Akustik berühmten Zürcher Tonhalle aufnimmt. „Ich merke, dass mein Spiel von Mal zu Mal reifer wird. Die Wiederholung ist eine große Lektion.“ Seinen Wechsel zwischen einem Steinway- und einem Bösendorfer-Flügel – beide werden von den Klaviertechnikern der Firma Fabbrini aus Pescara betreut – begründet Schiff mit Beethovens Vielseitigkeit als Komponist und seinem breiten Klangspektrum. „Bei der Mehrzahl seiner Klaviersonaten handelt es sich um lyrische, weichere Werke, um poetische, ja philosophische, manchmal sogar humoristische Gebilde, die nicht ‚beißen’ wie etwa die ‚Appassionata’, die ‚Pathétique’ oder die ‚Hammerklaviersonate’. Sie haben nichts mit diesem Beethoven-Klischee vom Heroischen und Dramatischen zu tun. Deshalb ist mir da der Bösendorfer lieber als der Steinway.“

Schiff hat wiederholt darauf hingewiesen, dass Beethovens frühe Sonaten als vollgültige Meisterwerke ernst zu nehmen sind, da sie schon von op. 2 an höchste kompositorische Qualität bieten. Die Sonaten op. 10, geschrieben zwischen 1796 und 1798, als Beethoven noch keine dreißig Jahre alt war, bilden eine Gruppe subtil untereinander verbundener Meisterwerke. Schiffs Ansicht nach sind sie Stücke für Kenner und Liebhaber, jedes mit seinem eigenen klar definierten Charakter ausgestattet, während die 1798/99 entstandene ‚Grande Sonate Pathétique’ einen dramatischen Aspekt und sinfonischen Stil einführt, der später zu einem zentralen Zug der wichtigsten Werke Beethovens wird.

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András Schiff wurde 1953 in Budapest geboren und studierte an der dortigen Franz-Liszt-Musikakademie bei Pal Kadosa, György Kurtág und Ferenc Rados. Bekannt wurde er durch seine Maßstab setzenden Interpretationen der Werke von Bach, Haydn, Mozart, Beethoven und Schubert; aber auch Komponisten wie Chopin, Smetana, Dvořák, Janáček sowie Schiffs ungarische Landsmänner Bartók und Kurtág spielen eine wichtige Rolle in seinem Repertoire. Als Liedbegleiter hat er unter anderen mit Cecilia Bartoli, Juliane Banse, Thomas Quasthoff, Peter Schreier, Dietrich Fischer-Dieskau und Robert Holl zusammengearbeitet.

Von 1989 bis 1998 war Schiff künstlerischer Leiter des Mondsee-Festivals, 1995 gründete er zusammen mit Heinz Holliger das Ittinger Whitsun Festival im Schweizer Kanton Thurgau. In den frühen 80er Jahren begann Schiff, Konzerte vom Klavier aus zu dirigieren, inzwischen ist er häufiger als Dirigent zu erleben, wobei Bachs Chorwerke neben den Sinfonien von Haydn, Mozart und Schubert einen Schwerpunkt bilden. 1999 gründete er die Cappella Andrea Barca, ein Ensemble, das aus führenden Kammermusikern und Solisten zusammengesetzt ist.

Schiff hat zahlreiche Auszeichnungen und Preise erhalten. Nach seiner langjährigen Verbindung mit Decca und Warner Classics nimmt er seit einigen Jahren für ECM New Series auf. „Music For Two Pianos“ mit Peter Serkin versammelte Kompositionen von Mozart, Reger und Busoni, „A Recollection“ widmete sich der Klaviermusik von Janáček, „András Schiff In Concert“ ausgewählten Werken Robert Schumanns. Zusammen mit der Sopranistin Juliane Banse hat Schiff überdies ein Programm mit Liedern von Mozart und Debussy vorgelegt. Seine Neuaufnahme der Bachschen Goldberg-Variationen löste 2003 eine kleine Sensation aus und entwickelte sich zu einem Bestseller. Ein herausragender Erfolg war die Produktion mit Beethovens Werken für Klavier und Violoncello mit Miklós Perényi, die im Herbst 2004 veröffentlicht wurde. 2005 wurde sie sowohl mit einem MIDEM Classical Award ausgezeichnet als auch mit einem Jahrespreis des Preises der deutschen Schallplattenkritik.

Die CD-Packung enthält ein umfangreiches Booklet mit einem ausführlichen Interview, das Martin Meyer, Feuilletonchef der Neuen Zürcher Zeitung, mit András Schiff über Beethoven geführt hat. Das Cover-Design aller acht Teilausgaben basiert auf einer Serie von Aquarellen des tschechisch-schweizerischen Künstlers Jan Jedlička.

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