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February 20 , 2009

ECM-Tag beim Festival „Jazzlines“ in München

Erstmals seit sieben Jahren findet vom 22. bis zum 29. März in München wieder ein großes internationales Jazzfestival statt. www.jazzlines.de

Den Abschluss am Sonntag, dem 29. März, bildet ein reiner ECM-Tag im Münchner Marstall mit vier herausragenden Projekten, die allesamt im vergangenen Jahr auf CD erschienen sind. Seit jeher negiert ECM die Zäune zwischen freier und gebundener Improvisation, zwischen alter und neuer Musik, Jazz und Klassik. So kommt der Schwerpunkt des Münchner Festivals auf „innovativen grenzüberschreitenden Projekten zwischen Jazz, Neuer und improvisierter Musik“ den Künstlern des Labels unmittelbar entgegen.

Programm

11:00 Uhr - Dans les arbres
Xavier Charles, cl, harmonica
Ivar Grydeland, g, banjo
Christian Wallumrød, p
Ingar Zach, perc, dr

16:00 Uhr - Gespräch mit Manfred Eicher

18:00 Uhr - Garth Knox solo
Garth Knox, viola d´amore

20:30 Uhr - Norma Winstone/Glauco Venier/Klaus Gesing
Doppelkonzert
Norma Winstone, voice
Glauco Venier, p
Klaus Gesing, cl, sax

22:00 Uhr - Bobo Stenson Trio
Bobo Stenson, p
Anders Jormin, db
Jon Fält, dr

Hinweise zum Programm

Vers une musique informelle: Die kollektiven Improvisationen des norwegisch-französischen Quartetts Dans les arbres belauschen Entstehung, Verschmelzung wie Verwandlung feinster Klänge und Timbres. Dem Hörer vermitteln sie dabei Erfahrungen von fast körperlicher Intensität. „Wo der konventionelle Jazz seine Energien aus der Expressivität der Solisten gewinnt, ist es hier die minimalistische Interaktion zwischen wachen und gleichberechtigten Individuen. Wenn Xavier Charles einen Ton seiner Klarinette als Orgelpunkt unter das Wechselspiel der Band legt, wenn der Gitarrist Ivar Grydeland die Klänge seines präparierten Banjos tanzen lässt, wenn Christian Wallumrød in den Innereien seines Flügels geisterhafte Harmonien findet oder Ingar Zach mit seinen Perkussionsinstrumenten wahre Klangfilme schafft, dann baut die Musik dieses Quartetts Brücken zwischen verschiedenen Kontinenten.“ (Stefan Hentz, Neue Zürcher Zeitung)

Garth Knox, einst Bratscher des Arditti Quartetts und einer der herausragenden Interpreten zeitgenössischer Musik, huldigt dem magischen Streichinstrument der Barockzeit. „Was immer auf den gewöhnlichen Saiten gespielt wird, hinterlässt akustische Spuren auf den Resonanzsaiten – nicht als einfaches Echo, sondern wie eine harmonisch kodierte Erinnerung“, sagt Knox über die Viola d’Amore, deren frappierende Möglichkeiten er in einem denkbar breiten Repertoire ausschöpft. „Von Klaus Hubers ‚Hommage an Luigi Nono’, darin die Resonanzsaiten in Mikrointervallen gestimmt werden, die die Klänge gleichsam verbiegen, zieht sich eine Gedankenverbindung zu den Klangmeditationen einer Pavane des Renaissance-Komponisten Tobias Hume. Und ‚Les Folies d’Espagne’ des Gambenvirtuosen Marin Marais werden reflektiert im ekstatischen rhythmischen Schwung keltischer Folklore“, bemerkte Martin Wilkening in der FAZ zur Aufnahme bei ECM.

So viel ergriffene Zustimmung, wie sie „Distances“, die neue Aufnahme des Norma Winstone Trios, erfuhr, ist selten: „Anbetungswürdig“ urteilte Stereoplay, in Jazzthetik war die Rede von „ehrfürchtigem Staunen und Glücksgefühl“. Und Peter Rüedi besprach in der Zeit „ein großes kleines Gesamtkunstwerk, in dem sich Zurücknahme und Spiellust in einer altmodischen (oder eben neuen) Qualität finden.“ Im Trio Azimuth mit John Taylor und Kenny Wheeler nahm Norma Winstone bis Mitte der neunziger Jahre einige Alben auf, deren lineare Transparenz und minimalistische Pulsationen für viele Musiker stilbildend wirken sollten. Das Ensemble mit dem deutschen Bläser Klaus Gesing und dem Pianisten Glauco Venier aus dem Friaul macht liedhaft-lyrische, dabei aber nicht minder facettenreiche Musik: Cole Porter, Peter Gabriel, Satie und Coltrane liefern das Material, dazu kommen Eigenkompositionen aller drei Musiker.

Bobo Stensons viel gerühmtes Trio, in dem seit einigen Jahren der quirlige Jon Fält an den Drums sitzt, ist eine Konstellation dreier absolut gleichrangiger, einander in Temperament und Fähigkeiten ideal ergänzender Individualisten. „Wenige Jazzgruppen heute sind in der Lage, eine so suggestive Atmosphäre zu schaffen wie die des Schwedischen Pianisten Bobo Stenson. Wenige beschwören – im Umgang mit einem von Ornette Coleman bis zu Alban Berg reichenden Material – so verschiedenartige Stimmungen herauf“, schrieb John Fordham im Guardian über das im vergangenen Herbst erschienene Album „Cantando“. Alessandro Topa pries in der FAZ die Fähigkeit, „einen auratischen Raum zu erzeugen“: Das Bobo Stenson Trio umspiele „so filigran und nuancenreich den freien melodischen Ideenstrom seines Pianisten, als gälte es, die Modulationen der Lichtverhältnisse einer Herbstlandschaft in Klang-Holografien zu konservieren.“

Manfred Eicher, 1943 in Lindau geboren, als klassischer Kontrabassist ausgebildet und in jungen Jahren aktiver Jazzmusiker, gründete 1969 in München die Firma ECM. Als deren Produzent hat er seither rund 1000 Alben realisiert, darunter internationale Bestseller wie Keith Jarretts „Köln Concert“ und „Officium“ mit Jan Garbarek und dem Hilliard Ensemble. Eicher hat zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen erhalten, sowohl für seine Jazz-Aufnahmen als auch für Produktionen von notierter Musik. Beim Jazzlines-Gespräch gibt er Auskunft über die Arbeit mit den Musikern im Studio sowie über seine ästhetischen Haltungen bei der Pflege eines umfangreichen Katalogs.